Gehobene Hotelbetriebe tauschen Halb- oder Dreiviertelpension gegen Übernachtung mit Frühstück ein. Keine Halbpension, keine Dreiviertelpension, kein Gratiskuchen am Nachmittag – einzelne Inhaber gehobener Hotels in Südtirol beschreiten einen neuen Weg: Sie haben die inkludierte Verpflegung von ihrer Preisliste gestrichen. Stattdessen bieten sie ihren Gästen ein großes Stück Freiheit.
„Zuerst war es die Halbpension und irgendwann die Dreiviertelpension, die wir unseren Gästen zu verhältnismäßig immer besseren Preisen anbieten mussten, um mit den Preisvorgaben der Mitbewerber noch mithalten zu können, mit denen wir – auch aufgrund der von uns gebotenen Qualität – gar nicht mithalten wollten. Wir haben immer mehr Leistung zu fast beschämend niedrigen Preisen verkaufen müssen und sind irgendwann Gefahr gelaufen, in eine gefährliche Preisspirale – nach unten – zu geraten“. Klaus Pichler vom Hotel Ganischgerhof in Deutschnofen analysiert die Entwicklung in der Hotellerie der vergangenen Jahre äußerst nüchtern und er erläutert, wie sein Betrieb versucht, die Preisspirale zu unterbrechen, indem etwas völlig Neues gewagt wurde. „Seit dieser Sommersaison bieten wir auf unserer Preisliste keine Halbpension, keine Vollpension und auch keine Dreiviertelpension mehr an. In die Übernachtung inbegriffen ist ausschließlich das Frühstück, das bis 11 Uhr vormittags in Anspruch genommen werden kann“, so Pichler. „Alle anderen Konsumationen werden, sofern sie gewünscht sind, separat verrechnet.“ Das Restaurationsangebot besteht im Hotel Ganischgerhof dabei nach wie vor und wurde sogar noch erweitert. Hotelier Pichler: „Die Küche öffnet direkt nach Ende der Frühstückszeit und hält bis spätabends offen. Neben Menüs und anderen aufwendigeren Gerichten, die zu Essenszeiten angeboten werden, können die Gäste zwischen 11 und 23 Uhr jederzeit Speisen aus einer ‚kleinen Karte‘ bestellen.“ Das Konzept, Übernachtung und Verpflegung zu entkoppeln, dient dabei nicht nur einer sinnvolleren Preispolitik, sondern stellt auch eine Angebotsstruktur am Puls der Zeit dar. „Wir haben auf die neuen Anforderungen des Urlaubers von heute reagiert“, bekräftigt der Hotelier und spezifiziert: „Haben sich die Gäste vor 20 Jahren tagsüber noch vorwiegend auf der Liegewiese vor unserem Haus getummelt, so sind die Urlauber von heute in der Regel aktiv. Sie sind meist unterwegs, zum Motorradfahren genauso wie zum Wandern oder Golfen.“
Und diese Aktivitäten, meint Klaus Pichler, sollten die Gäste im Laufe des Tages in voller Freiheit auskosten können, ohne daran denken zu müssen, dass sie um 15 Uhr das Kuchenbuffet und um 19.30 Uhr das Fünf-Gänge-Menü in Anspruch nehmen müssen – für das sie ja bereits im Vorfeld bezahlt haben. „Dieses Zeitkorsett, das oft noch enger ist als im Arbeitsalltag, wollen wir den Urlaubern in unserem Haus ersparen“, bekräftigt er. „Wir geben ihnen quasi ein Stück ihrer Freiheit zurück: Die Gäste können ihren Tag zwanglos genießen, ohne das Gefühl haben zu müssen, etwas zu versäumen. Und wenn sie am späteren Nachmittag von einem Ausflug ins Hotel zurückkehren, können sie sich in aller Freiheit einen Kaiserschmarrn von der kleinen Karte zubereiten lassen.“ Das Besondere am Ganischgerhof-Konzept: Der Urlauber kann nicht nur entscheiden, wann er welche Speisen (in welcher Preisklasse) konsumiert, sondern auch, wo er sie zu sich nimmt; das Kaminzimmer steht dafür genauso zur Verfügung wie die Pool-Bar, die Terrasse, eine Lounge oder der Speisesaal. „Um diese Ausrichtung hin zur Zwanglosigkeit und zu einer größeren Freiheit richtig umzusetzen und zu vervollständigen, waren natürlich auch bauliche Maßnahmen und Infrastrukturinvestitionen nötig“, erläutert Pichler, „ebenso wie ein Ausbau der Dienstleistungen. Die Öffnungszeiten der Sauna sowie der Wellness- und Massageabteilung wurden beispielsweise erweitert und flexibler gestaltet.“ Trotz ganz neuer Ansprüche auch an die Hotelierfamilie, die mit ihren Mitarbeitern und einem höheren Organisationsaufwand flexibler auf die Wünsche der Kunden reagieren muss, ist der Gastwirt zufrieden mit der Neuausrichtung des Hauses. „Das neue Konzept hat uns neue Kunden beschert, die das Angebot wirklich überaus gut angenommen haben“, resümiert Klaus Pichler, weist aber auch darauf hin, „dass wir im Gegenzug Stammkunden verlieren, die seit Jahren an unsere umfangreichen Inklusiv-Angebote zu kleinen Preisen gewohnt waren“.
„95 Prozent der Stammgäste verloren“ hat auch Kurt Leimegger, der mit seinem Hotel Feldmüllerhof in Sand in Taufers schon seit drei Jahren neue Wege – fernab der Halbpension – beschreitet. „Der Gast von heute will im Urlaub frei sein, egal, ob er aus Mailand oder München stammt“, sagt der Hotelier. „Das Angebot der Halbpension, das den Urlauber verpflichtet, sich zu einer bestimmten Zeit im Haus aufzuhalten, um etwas Bestimmtes zu essen, haben wir deshalb 2005 abgeschafft.“ Auch im Feldmüllerhof (der die Neuerung mit einer Preiserhöhung verband) werden seither Übernachtungen mit Frühstück bis zur Mittagszeit angeboten; zwischen 12 und 22 Uhr ist dann das hausinterne Restaurant geöffnet, wo die Gäste die Möglichkeit haben, à la carte zu speisen. „Abgesehen vom eigenen Restaurationsbetrieb sind wir aber auch mit den Gastbetrieben im Ort vernetzt“, erklärt Leimegger, „das heißt, wir empfehlen unseren Gästen bestimmte Restaurants und nehmen auf Wunsch auch die Reservierung vor.“ Dass das für Südtirol noch recht ungewöhnliche Konzept der Übernachtungen ohne Verpflegung(szwang) anfangs schwierig durchzusetzen ist, weiß Kurt Leimegger, der, wie eingangs erwähnt, auf viele seiner Stammgäste verzichten musste. „Allerdings bin ich der Meinung“, erläutert er, „dass es sich um ein zukunftsträchtiges Konzept handelt. Die Gäste wollen nämlich im Urlaub frei sein und nicht durch Zeiten und Zwänge gebunden werden.“Abgesehen davon dient das neue Angebot auch der Destination. „Damit Sand in Taufers sich als Zentrum des Tauferer-Ahrntals etablieren kann, muss der Ortskern aufgewertet und durch Menschen belebt werden“, ist der Hotelier überzeugt. „Solange wir Gastwirte darauf erpicht sind, die Urlauber im eigenen Hotelbetrieb zu halten, wo sie zu Abend essen und konsumieren, bleibt der Ort weitgehend leer. Sind die Gäste dagegen nur zum Übernachten und Frühstücken an das Hotel gebunden, verbringen manche einen großen Teil ihrer Freizeit in der Umgebung. Und das dient den Gastronomiebetrieben im Zentrum genauso wie der ganzen Destination.
"Von Destinationsaufwertung spricht auch Josef Innerhofer. Mit seinem Hotel Pergola Residence in Algund geht der Unternehmer schon seit vier Jahren gänzlich neue Wege: Nicht nur architektonisch hebt sich der einem Weinberg nachempfundene, in Holz, Glas und Stein gehaltene Bau von anderen Hotelbetrieben ab. Das Hotel Pergola ist ein durchdachtes Konzept, das wiederum auf der Freiheit des Gastes basiert. Das spiegelt sich sowohl in den großzügigen Wohneinheiten mit jeweils eigenem Zugang und eigener Sonnenterrasse wider, als auch in der Philosophie hinsichtlich der Verpflegung. „In unserem – das ganze Jahr über einheitlichen – Übernachtungspreis ist die Verpflegung nicht inkludiert“, erläutert Josef Innerhofer, „gegen Aufpreis können die Urlauber aber bei uns frühstücken – und das bis zur Mittagszeit.“ Eigenen Restaurationsbetrieb hat das Hotel keinen; für das Mittag- und Abendessen erhalten Urlauber (ähnlich wie im Feldmüllerhof) Empfehlungen für Restaurants unterschiedlicher Kategorien in der Umgebung. Außerdem wurde in jeder Wohneinheit eine kleine, vollständig ausgestattete Küche eingerichtet: Hier können sich die Gäste jederzeit auch selbst verpflegen. „Für viele Hoteliers mag diese Einrichtung unverständlich sein“, räumt Josef Innerhofer ein, „wir haben uns dabei aber an den Bedürfnissen der Urlauber von heute orientiert. Deshalb stehen die Freiheit und das Wohnen – frei von Terminen und oft nur unterbewusst wahrgenommenen Zwängen -– im Pergola im Vordergrund.“ Davon, dass sein Konzept auch der ganzen Tourismusdestination dient, ist der Unternehmer überzeugt. „Die Menschen gehen in der nahen Umgebung zum Essen, sie kaufen Lebensmittel und Spezialitäten ein, um für sich zu kochen“, sagt er, „das ist ein Erlebnis. Die Gäste erleben die Destination viel intensiver.“Wie die anderen beiden Hoteliers sieht Josef Innerhofer das Entkoppeln von Übernachtung und Verpflegung deshalb als erfolgreiches Modell der Zukunft. „Meiner Meinung nach“, so Innerhofer, „wäre es deshalb sinnvoll, wenn sich etwa 30 Prozent der heimischen Tourismusbetriebe das Konzept zu eigen machen würden, das sich am Verhalten der Gäste von heute und morgen orientiert und dadurch sowohl dem Hotelbetrieb selbst als auch der Tourismusdestination nachhaltig zugute kommen kann.“
Quelle: Südtiroler Wirtschaftszeitung - Juni 2008
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Herzliche Grüsse
IHR TOPCONSULT - TEAM
25. Juni 2008
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1 Kommentare:
Fünf Argumente für den Ausbau des Brixner Bettenangebotes
Gerade in wirtschaftlich anspruchsvollen Zeitabschnitten kommen Experten immer wieder zur Einsicht, dass der Tourismus Turbulenzen ausgleicht und für volkswirtschaftliche Stabilität garantiert.
Allerdings steht es in der Natur der Sache, dass sich auch dieser Wirtschaftssektor entwickeln muss. Dabei wollen wir jetzt nicht nur die baulichen und „harten Fakten“ behandeln sondern uns wesentlich auf die modernen Bedürfnisse der Gastlichkeit rund um Brixen konzentrieren.
In den letzten 18 Jahren beobachten wir im Gemeindegebiet von Brixen eine wesentliche Entwicklung der Logiernächte (+ 5%) und eine Steigerung der Ankünfte (rund 25%). Zu bemerken ist dabei, dass die Entwicklung der gastgewerblichen Betriebe stagniert und der Rückgang bei den nicht-gastgewerblichen Betriebe bedeutend war. Das Angebot vom „Urlaub am Bauernhof“ hat sich bedeutend entwickelt und bietet den landwirtschaftlichen Betrieben einen bedeutenden Zuerwerb.
Als erstes Argument für die Errichtung der neuen Hotelanlage mit hochwertigen Betten im Ortsteil Mellaun ist, dass ein neuer Leitbetrieb mit innovativen Angeboten im Brixner Gemeinde-gebiet entsteht.
Ein weiteres wichtiges Argument ist, dass dieser neue Betrieb das qualitative Image der Region steigert und somit den Standort Brixen in allen Bereichen aufwertet.
Ein serviceintensiver Gastbetrieb höherer Kategorie, bietet qualifizierte Arbeitsplätze für junge Fachkräfte.
Ein nicht unbedeutendes Argument ist die ganzjährige Ausrichtung des Betriebes.
Weiters basiert die Philosophie der Betreiber des neuen Gastbetriebes auf die Einbindung lokaler Produkte und weist auf die Glaubwürdigkeit der regionalen Produkte hin.
Durch die Errichtung der neuen Hotelanlage in Mellaun erfährt der Standort im Brixner Mittelgebirge rund um S. Andrä eine bedeutende Aufwertung. Dieser Mehrwert ist auch die Grundlage, dass sich weitere Beherbergungsbetriebe im Bereich der Talstation der Plose-Bergbahn ansiedeln können und eine nachhaltige Wirtschaftlichkeit dieser Infrastruktur gewährleisten
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